|
Aktuell
Giacomo Puccini: «Messa di Gloria» («Messa
a 4 voci»)
Giacomo Antonio Domenico Michele Secondo Puccini (1858 bis 1924) stammte aus
den Bergen bei Lucca. In Bologna sind die Ämter des Stadtorganisten und
des Leiters des Stadtorchesters in Lucca für 125 Jahre fest in der Hand
der Familie. Giacomo aber bricht aus; 1876 beschliesst er, Opernkomponist zu
werden; er studiert 1880 bis 1883 in Mailand und beginnt wirklich, ausschliesslich
Opern zu schreiben. Allein aus den Aufführungs-Tantiemen und dem Notenverkauf
erlangt er einen für Komponisten vorher wie nachher unvorstellbaren Reichtum
(er soll 1924 über 5 Millionen Dollar hinterlassen haben!). Sein Geld hielt
er immer beisammen, nur für Häuser, Motorräder, Autos und Motorboote
gab er viel Geld aus. Bekannteste Opern: «La Bohème» (1896), «Tosca» (1900), «Madam
Butterfly» (1904).
Die «Messa di Gloria» von 1880 markiert das Ende von Puccinis Lehrzeit
in seiner Heimatstadt Lucca. Diese Komposition entstand im Jahre 1880, als der
junge Puccini in Lucca studierte. Er schrieb sie als «Abschlussarbeit » für
das dortige Konservatorium. Die erste Aufführung fand am 12. Juli 1880 anlässlich
des Festes von San Paolino, dem Schutzpatron der Glocken, statt, der in dieser
toskanischen Stadt besonders verehrt wird, und brachte dem jungen Komponisten
allgemeine Anerkennung. Nach der hochgelobten Aufführung wurde das Werk
allerdings nie wieder gespielt. Erst 1950 wurde das Stück durch den amerikanischen
Priester Dante del Fiorentino wieder ans Licht gebracht, der es bei Forschungsarbeiten
zu einer Biographie entdeckte. Seitdem wird es allgemein als "Messa di Gloria" bezeichnet.
Puccini hat in der Partitur der Messa zwei 1878 für den gleichen Festtag
komponierte kirchenmusikalische Stücke verarbeitet: ein Mottetto und ein
Credo.
Die Komposition war ursprünglich als grosses Vokalwerk konzipiert. Die endgültige
Besetzung ist jedoch für drei Solostimmen, vierstimmigen Chor und grosses
Orchester. So ist die Messa die erste umfangreiche Arbeit Puccinis, in der der
Komponist, an die solide musikalische Tradition seiner Familie anknüpfend,
bewusst die modernen Ausdruckmittel seiner Zeit verwendet. Den vertrauten Umgang
mit der festlichen Chormusik und den strengsten Formen des «eingehaltenen» Kontrapunkts
(besonders deutlich in der aufwändigen Fuge «Cum Sancto Spiritu»,
in der das Hauptthema meisterhaft mit dem Anfangsthema des «Gloria » verarbeitet
ist) verbindet er mit einer persönlichen Auffassung von einem kirchenmusikalischen
Stil (gewisse Einflüsse Verdis erscheinen hier) und einer in ihren ursprünglichen
Umrissen bereits festgelegte Empfindung für Melodien und schliesslich mit
einem Klangstil, der schon die ausserordentliche Meisterschaft der späteren
Orchestrationen enthüllt.
Georges Bizet: «Te Deum»
Vieles im Lebenslauf von Georges Bizet (1838 bis 1875) erinnert an Mozart, den
Bizet als seinen musikalischen Fixstern verehrte. Wie Mozart war Bizet der Sohn
eines Musikers, ein frühreifes Wunderkind, das mit vier Jahren Noten lesen
lernte, mit neun gegen jede Regel am Pariser Conservatoire aufgenommen wurde,
mit zwölf zu komponieren begann und mit fünfzehn von seinem Lehrer
Halévy als würdig für den Prix de Rome erklärt wurde.
Das «Te Deum» von Bizet ist ebenfalls ein Jugendwerk: Im Alter von
20 Jahren - während seines dreijährigen Romaufenthaltes als Stipendiat
des Prix de Rome - komponierte Bizet das Te Deum. Er wollte mit diesem Werk den
sehr begehrten Rodrigues Preis für die beste geistliche Komposition erringen.
Der erhoffte Erfolg war ihm jedoch nicht beschieden, wohl, weil er sich bei der
Verwendung und Behandlung des Textes zu grosse Freiheiten erlaubte und die vorgeschriebene
liturgische Form zu wenig beachtete. Dass ihm ein Mitbewerber vorgezogen wurde,
war für ihn vor allem deshalb ärgerlich, weil er das beträchtliche
Preisgeld bereits für eine Reise nach Neapel verplant hatte. Der junge Komponist
wurde sich allerdings auch klar darüber, dass die geistliche Musik nicht
sein Metier war.
In Frankreich gab es eine lange Tradition grossangelegter Te Deum-Vertonungen,
wie etwa diejenige von Joseph François Gossec, die drei Te Deum-Fassungen
von Le Sueur, dem Lehrer von Berlioz, schliesslich das gewaltige «Te Deum» von
Berlioz, dessen Uraufführung in der Kirche St. Eustache in Paris (1855)
Bizet wohl beigewohnt hat. Möglicherweise kannte Bizet auch das aus dem
Jahre 1800 stammende «Te Deum» von Joseph Haydn.
Ganz deutlich spürbar in Bizets «Te Deum» ist der Einfluss der
italienischen Kirchenmusik jener Zeit, die unbekümmert Elemente der Opernmusik
in den sakralen Rahmen transportierte. Beispiele sind das schmetternde Maestoso
des Beginns, das am Schluss wiederkehrt, wie auch die Solistenstelle «Te
ergo quaesumus», die als «Preghiera», eine in den Opem von
Bellini und Donizetti sehr beliebte Gebetsszene, gestaltet ist. Der Musikdramatiker,
der später mit seiner Oper «Carmen» eines der genialsten Werke
des Musiktheaters schuf, zeigt sich im zweiten Satz bei der Textstelle «Judex
crederis»: Die Schilderung der angstvollen Unruhe vor dem Erscheinen des
Weltenrichters und sein Nahen übt eine unerhört suggestive Wirkung
aus.
Drei Wochen nach der Premiere der Oper «Carmen» starb Bizet im Alter
von 37 Jahren - ähnlich früh wie Mozart.
|